Project Description

Die Stadtentdecker- BAUEN AM WASSER, IM WASSER, AUF DEM WASSER in Potsdam

Das Restau­rant See­ro­se am Ufer der Neu­städ­ter Havel­bucht war unser ers­tes Exkur­si­ons­ziel. Dort wur­den wir emp­fan­gen vom Archi­tek­ten Die­ter Aht­ing, der die See­ro­se 1980–83 ent­wor­fen und mit sei­nem Pla­ner­stab aus­ge­führt hat­te- anläß­lich eines Besu­ches des dama­li­gen Staats­rats­vor­sit­zen­den der DDR Erich Hon­ecker. Die Dach­kon­struk­ti­on ist eine 8-tei­li­ge Hypar­scha­le von Bau­ing. Ulrich Müther/ Binz.

Pha­se 1: Stadt­ex­kur­si­on zu 4 aus­ge­wähl­ten Orten-dies­mal mit Fahr­rä­dern

Pha­se 2: Pro­jekt­wo­che (Werk­statt)

Was Schul­pro­jekt in der Rei­he Die Stadt­ent­de­cker
Teil­neh­mer 23 Schüler/innen der Klas­sen­stu­fen 5–9 der Montesso­ri Ober­schu­le Pots­dam
Wo+Wann Pots­dam, Früh­jahr 2016
Orga­ni­sa­ti­on Bran­den­bur­gi­sche Architektenkammer/ Mar­ti­na Nad­an­sky, Montesso­ri Ober­schu­le Pots­dam
För­de­rung Minis­te­ri­um für Infra­struk­tur und Lan­des­pla­nung Bran­den­burg
Pro­jekt­team Mar­ti­na Nad­an­sky, 1 Lehr­kraft für 5.–6.Klasse, 1 Lehr­kraft für 7.–9. Klas­se

Projektbeschreibung

Are U water­pro­of?
Unter dem Titel Are U water­pro­of haben sich im April 2016 24 Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Montesso­ri- Ober­schu­le Pots­dam ihrer Stadt am Was­ser genä­hert. Dazu haben wir 4 am Was­ser gele­ge­ne  Orte in einer gro­ßen Fahr­rad­rund­fahrt besucht und dort jeweils einen Exper­ten getrof­fen, der mit die­sem Ort eine beson­de­re Ver­bin­dung hat und uns mehr Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen ver­mit­teln konn­te.

Im Pro­jekt­ver­lauf sind wir, ent­spre­chend des Pro­jek­tes „Die Stadt­ent­de­cker“, in 4 Pha­sen vor­ge­gan­gen: nach der Stadt­rund­fahrt gab es in eine 5-tägi­ge Pro­jekt­wo­che, gefolgt von einer öffent­li­chen Prä­sen­ta­ti­on und dem abschlie­ßen­den Stadt­ent­de­cker­ge­spräch. Für die Pro­jekt­wo­che haben wir Auf­ga­be gestellt, die inspi­rie­ren­den Ein­drü­cke der 4 Orte in ein eige­nes Pro­jekt am, unter, neben oder auf  dem Was­ser im einem Modell umzu­set­zen. 9 Pro­jek­te sind dabei ent­stan­den.

1. Ort am Was­ser: Restau­rant See­ro­se
Das Restau­rant „See­ro­se“ war die ers­te Sta­ti­on auf unse­rer Fahr­rad­rund­fahrt. Es wur­de 1982 als 8-tei­li­ger, zen­tral­sym­me­tri­scher Scha­len­bau von Die­ter Ahling und Ulrich Müt­her gebaut. Sei­ne beson­de­re kon­struk­ti­ve und gestal­te­ri­sche Form erklärt sich durch die städt­bau­li­che Lage direkt am Was­ser (Asso­zia­ti­on Was­ser- Schiff- See­ro­se), durch die umit­tel­ba­re Nähe meh­re­rer kan­ti­ger Hoch­häu­ser und natür­lich durch die Funk­ti­on selbst (gro­ßer Raum mit Stüt­zen­frei­heit durch Scha­len­wir­kung). Die­ter Aht­ing selbst hat uns dort emp­fan­gen und vie­le inter­es­san­te Details und Infor­ma­tio­nen zur Ent­ste­hung und Kon­struk­ti­on der Dach­scha­len ver­mit­telt. In der Pro­jekt­wo­che wur­den die­se Ein­drü­cke umge­setzt in eige­ne Scha­len aus hän­gen­den, in Gips getauch­ten Tüchern- ein Expe­ri­ment, das im Win­ter auch mit  gefrie­ren­dem Eis gelingt. Die aus­ge­här­te­ten, umge­dreh­ten Tücher fin­den sich als Dach­scha­len in den Schü­ler­pro­jek­ten wie­der- als Ter­ras­sen­dach, Hal­le, Hän­ge­mat­te, oder quer­ge­legt sogar als Ver­bin­dungs­gang. Orga­ni­sche For­men las­sen sich auch mit Papp­ma­schee auf auf­ge­bla­se­nen Luft­bal­lons her­stel­len. Auch die­se Papier­scha­len sind nach dem Trock­nen frei tra­gend. Eini­ge Schü­ler lie­ßen sich durch die Meta­pher „See­ro­se“ auch zu Floß­bau­ten auf dem Was­ser inspi­rie­ren.

2. Ort AM Was­ser: Hans- Otto- Thea­ter
Am Hans- Otto-Thea­ter, gebaut 2006 von Gott­fried Böhm, wur­den wir von Mai­ke Schön­feld, der Lei­te­rin der Öffent­lich­keits­ar­beit,  emp­fan­gen. Ganz beson­ders haben wir uns hier auch für den Außen­raum zwi­schen Thea­ter­foy­er und Was­ser inter­es­siert. Wird hier auch Thea­ter gespielt? Wer nutzt die­sen öffent­li­chen Raum? Und wel­chen Hín­ter­grund haben die geschwun­ge­nen roten Dach­scha­len?  Hier­zu haben wir erfah­ren, dass rote Blü­ten­blät­ter als Vor­bild für die Form gedient haben. Und die Vor­lie­be der Archi­tek­ten­gat­tin für schwar­ze Röcke und rote Blu­sen spie­gelt sich in der Gesamt­farb­ge­bung wie­der. Wei­te­re Meta­phern sind wegen der Was­ser­nä­he durch­aus eben­so  nahe­lie­gend- Segel, Schiff, Was­ser­pflan­zen, Möwen­flü­gel. Die­se Inspi­ra­tio­nen fin­den sich viel­fach in den Model­len ganz unter­schied­lich wie­der- als Ener­gie-Wind-Anla­ge, Frei­zeit­park am Was­ser oder Ein­gangs­ge­bäu­de zu einem Unter­was­ser­ho­tel.

3. Ort AUF dem Was­ser: Restau­rant­schiff „John Bar­nett“
Direkt am Kai vor dem Hans- Otto- Thea­ter liegt das Restau­rant­schiff „John  Bar­nett“. Es wur­de 1889 als Fracht­schiff gebaut und 2006 zum Restau­rant­schiff umge­baut, benannt nach einem Schiffs­bau­er des 19. Jahr­hun­derts. Der Schiffs­ei­gen­tü­mer und Restau­rant­be­trei­ber Cle­mens Lam­brecht hat uns auf dem Deck bewir­tet und dabei mit viel Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zum Schiffs­bau, der Geschich­te,  und sei­ner Idee, dar­aus ein Restau­rant und kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tungs­ort zu machen, ver­sorgt. In der Pro­jekt­wo­che haben wir wei­te­re Umnut­zungide­en für Schiffs­kör­per zusam­men­ge­tra­gen, z.B. das „Bade­schiff“ in Ber­lin Trep­tow. Über­haupt haben wir uns über schwim­men­de Bau­ten, d.h. Floa­ting Homes, Flo­ße, Wohn­schif­fe und Haus­boo­te (z.B. in Ams­ter­dam) infor­miert. Auch die­se Anre­gun­gen wur­den in den Pro­jek­ten umge­setzt – z.B. einem Hotel­schiff und der Vil­la „Floß“.

4. Ort AM und AUF dem Was­ser: Matro­sen­sta­ti­on
Weit­ge­hend unbe­kannt bei allen Teil­neh­mern war unser 4. Ort der Fahr­rad­rund­fahrt: die Matro­sen­sta­ti­on am Jung­fern­see. Unser Exper­te Jörg Lim­berg, Mit­ar­bei­ter der Unte­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de, erklär­te uns die Hin­ter­grün­de: gebaut 1892–1896 als Aus­gangs- und Ver­sor­gung­sta­ti­on für „Lust­fahr­ten“ mit Emp­fangs­pa­vil­lon („Ven­te­hal­le“), Boots­haus, Matro­sen­ka­ser­ne und Schiffs­füh­rer­haus. Vor­bild war ein Restau­rant des Stadt­bau­meis­ters Holm Han­sen Mun­the in Kris­tia­nia (heu­te Oslo) im nor­we­gi­schen Stil. Gegen­wär­tig wird die Matro­sen­sta­ti­on rekon­stru­iert bzw. saniert. Ins­be­son­de­re die Details und alten Fotos zur Emp­fangs­hal­le  waren für die Schü­le sehr anre­gend, wie man deut­lich z.B.  am Pro­jekt „Nor­we­gi­sches Restau­rant“ sehen kann. Zum Pro­jekt gehört auch eine Spei­se­kar­te, in der es Lachs in allen Vari­an­ten gibt (der UNTER dem Restau­rant in einem Becken gehal­ten wird).

Öffent­li­che Prä­sen­ta­ti­on mit Stadt­ent­de­cker­ge­spräch
Für die Prä­sen­ta­ti­on der 9 Pro­jek­te haben die Kin­der mit unter­schied­li­chen Metho­den eine über die rei­ne Modell­er­läu­te­rung hin­aus­ge­hen­de Atmo­sphä­re zum Pro­jekt ver­mit­telt-mit kur­zen Sket­chen, dia­lo­gi­schen Sze­nen, fik­ti­ven Pres­se­mel­dun­gen oder selbst ent­wor­fe­nen Wer­be­ar­ti­keln . So wur­de z.B. die „Vil­la am See“ mit ihrem Ener­gie- Wind­se­gel von einem coo­len Immo­bi­li­en­mak­ler als TOP-Adres­se mit TOP- Ener­gie­ge­win­nung ver­mark­tet, das „Nor­we­gi­sche Restau­rant“ pries sei­ne exqui­si­te Lachs- Spei­se­kar­te an, die auf­re­gen­de  Über­nach­tung  im „Unter­was­ser­ho­tel“  wur­de von einer skep­ti­schen Groß­mutter mit begeis­ter­ter Enke­lin dar­ge­stellt, Bil­der von Ein­rich­tungs­de­tails der „Vil­la Floß“ wur­den von einer kauf­freu­di­gen Inter­es­sen­tin kom­men­tiert, und für den „Frei­zeit­park am Was­ser“ Wer­be­fly­er im Publi­kum ver­teilt. Im abschlie­ßen­den Stadt­ent­de­cker­ge­spräch kamen alle Akteu­re – Schu­le (Schü­ler, Leh­rer, Schul­lei­tung),  Archi­tek­ten­kam­mer (Pro­jekt­be­glei­tung, Pro­jekt­lei­tung), Exper­ten und Stadt­ver­wal­tung noch ein­mal  in einem reflek­tie­ren­den Gesprächs­kreis zusam­men.

Buch­ver­öf­fent­li­chung im Ver­lag an der Ruhr
“Wie bau­en Tie­re? Wie bau­en Men­schen” erscheint im Ver­lag an der Ruhr, in einer Werk­rei­he im Pap­pord­ner mit her­aus­nehm­ba­ren und kopier­fä­hi­gen A4- Blät­tern. In 9 Kapi­teln wer­den 9 Tie­re, ihre Behau­sun­gen und ihre Ana­lo­gie zur Archi­tek­tur in mehr als 60 nach­bau­ba­ren Expe­ri­men­ten vor­ge­stellt.

zum Buch

Buch­ver­öf­fent­li­chung im Her­der Ver­lag

Krea­tiv Bau­en nach dem Vor­bild der Natur

Kin­der zei­gen gro­ßes Inter­es­se für den Auf­bau und die Beschaf­fen­heit von Tier­be­hau­sun­gen, Tier­kör­pern und Pflan­zen und ver­glei­chen sie mit den von Men­schen gebau­ten Din­gen, die sie ken­nen. Das Werk­statt­heft greift die Fas­zi­na­ti­on der Kin­der auf und eröff­net einen krea­ti­ven und expe­ri­men­tier­freu­di­gen Zugang zu den bei­den gro­ßen The­men­be­rei­chen Natur und Archi­tek­tur. 20 Bau-Aktio­nen für Kita- und Schul­kin­der, mit vie­len Fotos anschau­lich erklärt.
zum Buch

Ver­öf­fent­li­chung im Deut­schen Archi­tek­ten­blatt
Die­se Pro­jekt­do­ku­men­ta­ti­on befin­det sich im Auf­bau

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Scha­len­bau­ten von Ulrich Müt­her

Ulrich Müt­her (*1934 und † 2007 auf Rügen) war ein deut­scher Inge­nieur und Bau­un­ter­neh­mer, des­sen küh­ne Scha­len­bau­ten eine bedin­guns­glo­se Moder­ne ver­kör­pern und zu den her­aus­ra­gen­den kul­tu­rel­len Hin­ter­las­sen­schaf­ten der DDR zäh­len.